Im Land der armen Millionäre

stern.de, 18.06.2008online

Simbabwe hat weltweit die höchste Inflation, ein Brot kostet sechs Millionen Simbabwe-Dollar – staatlicher Festpreis. Schneller geht es auf dem Schwarzmarkt gegen 15 Millionen. Wer überleben will, braucht die richtigen Kontakte – und weite Hosentaschen, um die gerollten Geldscheinbündel zu verstauen.

Paul bündelt Zehn-Millionen-Scheine, immer Hundert bilden einen Stapel, den er mit einem Haushaltsgummi umwickelt: Eine Milliarde Simbabwe-Dollar. Am Ende liegen zahlreiche solcher Bündel um ihn herum verteilt auf dem Tisch. Die Tageseinnahme seines Steakhauses. Vor allem Weiße und Militärs kommen in das kleine Restaurant in Bulawayo, der zweitgrößten Stadt Simbabwes. Paul verstaut die Päckchen in Plastiktüten. Dann beginnt der Wettlauf mit der Zeit. „Ich muss sie so schnell wie möglich auf dem Schwarzmarkt gegen Devisen tauschen“, sagt der Mittdreißiger. Denn der simbabwische Dollar verliert täglich dramatisch an Wert. Banken geben keine fremde Währung heraus. Wer keinen Zugang zu Devisen und keine Kontakte zum Schwarzmarkt hat, ist verloren.
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