Essen wie im Science Fiction

Bild der Wissenschaft 1/2014

Die digitale Technologie erobert unser Leben. Selbst dort, wo wir sie nicht erwarten: beim Essen und Trinken.

Ein beliebtes Phänomen: Morgens im Supermarkt landen die Kekse mit Vanillecreme-Füllung im Einkaufskorb. Abends auf dem Sofa liegt die Packung dann unberührt auf dem Tisch, die Sehnsucht wächst zwar – aber nach anderem, zum Beispiel nach Schokoladen-Cookies. Der Kauf erweist sich als Fehlinvestion. Eine Gruppe japanischer Forscher hat dieses Problem auf ihre Art gelöst: Sie erfanden den so genannten „Meta-Cookie“, eine Art Chamäleon-Keks, der seinen Geschmack an die Bedürfnisse des Nutzers anpasst.

Dafür zieht man eine große Maske über Augen und Nase und mustert den Meta-Cookie, einen neutralen Keks mit aufgedrucktem, Computer lesbaren Code. Ein Display vor den Augen zeigt eine Auswahl an Keksgeschmäckern an: Schokolade, Walnuss, Erdbeer oder Vanille. Durch Kopfnicken oder -schütteln kann der Proband eine Gaumenrichtung auswählen, beispielsweise Schokolade. Der Keks im Display überlagert den realen Keks optisch und nimmt jeweils die passende Farbe und Form an. Führt der Proband ihn nun zum Mund um hineinzubeißen, bläst die Maske das passende Aroma in seine Nase: Das täuscht die Sinne so erfolgreich, dass der Nutzer das Gefühl hat, einen Schokoladenkeks zu essen.

Zugegeben: Keine sehr romantische Vorstellung, den Feierabend mit einer riesigen Maske im Gesicht zu verbringen. „Ich bin mir nicht sicher, ob ich mich immer so täuschen lassen will“, sagt der Forscher Johannes Schöning, „manchmal will man einfach echte Schokolade genießen.“ Ebenso wie seine japanischen Kollegen gehört der Professor für Informatik an der belgischen Universität Hasselt der noch jungen Forschungsrichtung des „Digital Food“, des digitalen Essens, an. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die digitale Technik immer mehr unserer Lebensbereiche durchdringt und auch vor dem Genuss nicht halt macht. „Deshalb ist es wichtig, dass wir uns jetzt Gedanken machen, was wir wollen und was nicht“, sagt Schöning.

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Digitales Gedächtnis für die Ewigkeit

spektrum.de, 7. Januar 2014Link

Werden wir die Familienfotos von Weihnachten 2013 auch noch unseren Enkeln zeigen können? Schon heute gehen Unmengen digitaler Daten verloren. Doch Forscher arbeiten an langlebigen Speichermethoden.

Es gibt viele Wege auf denen unsere Daten verschwinden: Kurz bevor die Diplomarbeit beendet ist, verabschiedet sich die Festplatte. Die alten Tagebücher kann der Computer nicht lesen – sie sind noch auf Disketten gespeichert. Und über die Bilder von der Familienweihnachtsfeier amüsiert sich nun der Dieb unseres Handys. Dagegen steht Oma Ernas Fotoalbum seit Jahrzehnten im Regal, wahrscheinlich können auch noch unsere Nachkommen durch die nostalgischen Bilder blättern. Zumindest wenn das Haus nicht abbrennt. Wollen wir dagegen Schnappschüsse von unseren Kindern zeigen, ist oft mehr nötig, als ein schneller Griff zum Schrank.

Das Problem wird der Öffentlichkeit erst langsam bewusst: Magnetische Datenträger wie Festplatten haben eine begrenzte Lebenszeit. Schon nach fünf bis 20 Jahren, so die Schätzungen von Experten, verlieren sie ihren Magnetismus – und damit die gespeicherten Daten. Auch optische Speicher wie CD-ROMS sind anfällig für Beschädigungen durch Temperaturschwankungen oder Kratzer und können häufig schon nach wenigen Jahren nicht mehr gelesen werden. Dazu kommt, dass sich viele Dateiformate mit den Nachfolgeversionen der üblichen Programme nicht mehr öffnen lassen. Wer seine Daten also nicht regelmäßig auf den neuesten Speichermedien sichert und in aktuelle Dateiformate kopiert, wird sie irgendwann verlieren.
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