DebateExplorer: Unsere Datenbasis wächst – und mit ihr die Herausforderungen

Blog über unser Datenjournalismus-Projekt Debate Explorer, August 2016

So gruselig der aktuelle Stuttgart-Tatort ist, in dem eine Künstliche Intelligenz unkontrollierbar wird, so sehr wünsche ich mir, wir hätten eine Maschine, die uns ein bisschen besser versteht! Wer mit Sprachdaten arbeitet und hofft, dass uns Journalisten die Automatisierung ein wenig Arbeit abnimmt, staunt nur ob der Ankündigung der ARD: „Der Tatort HAL spielt in der nahen Zukunft, die vielleicht schneller Gegenwart ist, als wir erwarten.“ Hach, wir arbeiten an dieser nahen Zukunft, die mir gerade doch wieder etwas weiter weg erscheint.

Zu gerne würde ich unserer Maschine zurufen: Versteh mich doch, es geht um Vorratsdatenspeicherung! Aber die Wortwolke in unserer Topicsuche, die mir helfen soll, ein Thema möglichst vollständig zu finden, ist ziemlich breit geworden: in ihrem Zentrum stehen nach wie vor Begriffe wie Datenschutz und Internet. Aber seit wir unsere Daten um Spiegel-Online-Artikel erweitert haben, bekomme ich eine breite Masse an Vorschlägen, die irgendwie auch in diesen Thementopf gehören aber mit Vorratsdatenspeicherung zu tun haben. Weiterlesen

Achtung, Kamera im Anflug!

Die ZEIT, 28. Juli 2016

Drohnenpiloten stoßen immer wieder auf harsche Ablehnung in der Öffentlichkeit. Die Regulierung ist unübersichtlich, uneinheitlich und bisweilen überraschend.

Sie treffen auf einem Feldweg aufeinander, der alte Mann mit dem Stock und der Schüler mit der Drohne: Ein weißer Quadrocopter des Marktführers DJI, kaum größer als ein Schuhkarton, eine Phantom 2, heute fast schon ein Oldtimer. Der Schüler hat dafür vor knapp drei Jahren mehr als 1000 Euro gezahlt und übt einen besonderen Flugmodus. „Da kommt der alte Mann auf mich zugehumpelt, schubst mich und schreit: Hol das Ding da sofort runter!“ Noch Wochen danach ist Robert die Empörung anzuhören. „Das darf der doch nicht, oder?“ fragt er. „Das darf ich doch, oder?“ Normalerweise hätte sich der 17-jährige Schüler an den Rechner gesetzt und Argumente gesammelt. Gegoogelt, was er als Drohnenpilot darf. Aber an diesem Thema ist er gescheitert. „Im Netz widersprechen sich alle.“ Deshalb hat sich der junge Mann mit den langen blonden Haaren von seinen Eltern heute von Karlsruhe nach Abtsteinach bei Mannheim fahren lassen zur „Grundlagenschulung Multikopter“.

Darf ich das? Bevor Robert seine Frage beantwortet bekommt, muss er sich durch Fachbegriffe, Luftfahrtkarten und Gesetzestexte wühlen. Der Kurs, das wird in den ersten Minuten klar, ist keiner, in dem junge Männer mit ihren neuesten Fluggeräten auf einer Wiese spielen und prahlen können. Das Luftverkehrsgesetz, die Regeln der internationalen Zivilluftfahrtorganisation, Sonderlufträume, Flugbeschränkungsgebiete, das Bundesdatenschutzgesetz und nicht zuletzt einen Flugwetterbericht – all das müssen Daniel Schmitts Schüler zu rate ziehen, um zu klären, ob Robert auf diesem Feldweg fliegen durfte. Den Kursteilnehmern fliegen die Fachbegriffe nur so um die Ohren. Im Bürokratendeutsch heißt Roberts Phantom „unbemanntes Luftfahrtsystem“ oder auch „Modellflugzeug“, und das wiederum hängt davon ab, was der junge Mann damit machen will. „Fliegen, schöne Bilder machen“, sagt der Schüler Schulter zuckend. Aber da fängt das Problem schon an: Ist „schöne Bilder machen“ noch ein privates Vergnügen oder macht sein Hobby Robert zum kommerziellen Piloten? Weiterlesen