Wer war das?

Die ZEIT, 1. Juni 2017 – Ausschnitt

Wenn jemand per Internet eine Überweisung tätigt, hinterlässt er einzigartige Spuren. Anhand solcher biometrischer Merkmale identifiziert eine diskrete Firma im Auftrag von Banken Millionen von Nutzern. Die ahnen davon nichts.

Seelenruhig schaut Natia Golan zu, wie der Hacker seinen Raub vorbereitet. Er hat die  Kontrolle über das Online-Konto einer ahnungslosen britischen Bankkundin übernommen, als sie gerade Geld überwies. Kaum war sie fertig, griff er aus der Ferne zu. Er tippt ihr Passwort in die Maske und gibt vor, vor dem Computer der Kundin in Großbritannien zu sitzen. Das Passwort stimmt. Auch die Summe von etwas mehr als einer Million Pfund, die er gerade überweisen will, ist nicht unüblich für die überdurchschnittlich wohlhabenden Kunden. Und doch: Ein Detail stört das Bild.

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Er fliege hoch!

ZEIT Wissen, 20. Juni 2017 – Leseprobe

Diese zwei Männer sehen nur so aus, als würden sie spielen. In Wirklichkeit sind sie an einem neuen Wettrennen beteiligt – zum Mond.

Auf den ersten Blick folgt dieser Vormittag im Februar dem Drehbuch der Raumfahrtromantik: Ingenieure tüfteln an Mondrover und bringen den Innovationsstandort Deutschland voran. Part Time Scientists nennen sich die Herren, Teilzeitwissenschaftler. Zuerst, im Jahr 2009, war da nur die fixe Idee, den Google Lunar Xprize zu gewinnen. 20 Millionen Dollar Preisgeld hat Google jenem Team versprochen, das einen Rover entwickelt und auf dem Mond 500 Meter weit fahren lässt. Heute arbeiten die Part Time Scientists Vollzeit. Sie vergeben Aufträge an Airbus und haben mit Audi einen ernstzunehmenden Sponsor gefunden. Spätestens für 2018 wollen sie ihrem Rover eine Mitfahrgelegenheit auf einer Rakete buchen.

Aber dahinter steckt viel mehr als nur der nächste Abenteuerausflug gen Himmel. Weiterlesen

„Wenn ich eine Reportage mache, ist meine Recherche gleich viel aufwendiger“

…hat ein Teilnehmer meines Workshops „Wissenschaft spannend erzählen“ beim Reporterforum gesagt. Das stimmt! Trotzdem macht Wissenschaftsreportage Spaß – mir jedenfalls. Mir ist die Stilform richtig ans Herz gewachsen, und trotz des Aufwandes ist sie mir das liebste, was ich beruflich mache. Warum es sich der Aufwand lohnt, wie man die richtigen Protagonisten und den richtigen Stoff findet und was dann noch alles kommt – über all das habe ich beim diesjährigen Reporterworkshop beim SPIEGEL in Hamburg gesprochen.

Trotzdem (oder gerade weil) Nicola Meier von der ZEIT und ich uns wegen unserer verschiedenen Hintergründe und Lebenswege in der Vorbereitung beinahe in die Haare bekommen hätten bei Themen wie „Braucht man immer Schicksale?“ und „Kleben Wissenschaftsjournalisten zu sehr an den Fakten?“, haben wir viel voneinander gelernt und es ist ein runder, spannender Workshop herausgekommen. Wer nicht dabei sein konnte, findet jetzt beim Reporterforum die Links zu den Audio-Mitschnitten.