Zurück zum Spüren

Die ZEIT, 22. Februar 2018 – Ausschnitt

Com­pu­ter­tech­nik for­dert Au­gen und Oh­ren, al­le an­de­ren Sin­ne lie­gen brach. Jetzt ma­chen For­scher di­gi­ta­le Wel­ten fühl­bar.

Ach, wä­re er doch Mu­si­ker ge­blie­ben! Wie rich­tig und wie falsch zu­gleich die­ser Wunsch ist, das zeigt sich in die­sem schlich­ten In­for­ma­tik­la­bor zwi­schen Ka­beln und tech­ni­schen Ge­rä­ten. Brent Gil­le­spie, Ma­schi­nen­bau-Pro­fes­sor der Uni­ver­si­ty of Mi­chi­gan und ge­ra­de für ein For­schungs­frei­se­mes­ter in Stutt­gart, sitzt vor ei­nem kom­pli­zier­ten me­cha­ni­schen Auf­bau. Er dreht hier und da vor­sich­tig an ei­ner Schrau­be, schlägt die wei­ße Tas­te am ei­nen En­de des Auf­baus an und be­ob­ach­tet ganz ge­nau, was das in der Ap­pa­ra­tur be­wirkt. Am an­de­ren En­de, ei­nen Me­ter ent­fernt, schlägt ein mit Filz über­zo­ge­nes Häm­mer­chen auf ei­ne Sai­te. »Stein­way Ac­tion« steht auf ei­ner klei­nen Blech­ta­fel, dar­un­ter ei­ne Wid­mung. Die­se Tas­te, mit­samt der Me­cha­nik aus ei­nem Kon­zert­flü­gel aus­ge­baut, ist das Ge­schenk ei­nes be­freun­de­ten Mu­sik­pro­fes­sors. Weiterlesen

Das zweite Leben von Second Life

t3n Magazin 51/2018, 24. Feburar 2018 – Ausschnitt

Philip Rosedale träumt seit seiner Jugend von einer dreidimensionalen virtuellen Realität. Dank der technischen Fortschritte bekommt sein Traum neuen Aufwind. Er ist überzeugt: Eines Tages wird die Realität nur eine Option unter vielen sein.

Wenn Philip Rosedale das zeigen will, was ihn seit seiner Kindheit beschäftigt, dann reicht er ein Virtual-Reality-Headset, Kopfhörer und Controller und verschwindet selbst hinter einem Headset, „kommen Sie mit!“, ruft er noch, auch wenn er nirgendwo hingeht, zumindest sein physischer Körper nicht. Und doch betritt er eine andere Welt, „hier, das ist meine Welt“, sagt er, während die Besucherin noch mit der Technik kämpft. Schon in den ersten Minuten eines Interviews mit 46jährigen Unternehmer werden die Prioritäten fühlbar – er ist in er Virtuellen Realität, schneller als man schauen kann. Sein Körper steht noch hier in diesem Raum, aber er ist längst woanders. Weiterlesen

„Seit Millionen von Jahren existiert die Virtuelle Realität in unserem Kopf“

Riffreporter – Die VR-Reporterin – 16. Februar 2018 – Link

Der Philosoph Thomas Metzinger vertritt die Theorie, dass unser Selbst nicht existiert. Mittels Virtual Reality versetzt er Menschen in die Körper anderer, um das zu belegen. Für die Technologie sieht er aber auch ganz handfeste Anwendungen.

Herr Metzinger, im Rahmen des von der EU geförderten VERE-Projekts haben Sie mit Kollegen versucht, unser Ich-Gefühl mittels Virtual Reality auf Avatare zu übertragen. Wozu ist das gut, wenn ich glaube, ich wäre ein Avatar?

Man kann damit versuchen einige alte Fragen der Philosophie zu klären, unter anderem die, was die einfachste Form von Selbstbewusstsein ist. „Das Selbst“ im traditionellen Sinne gibt es nicht. Unsere Virtual-Reality-Experimente zeigen das. Weiterlesen

Ein Ort für Helden

Süddeutsche Zeitung am Wochenende, 20/21. Januar 2018

Ein Ort für Helden

Im russischen Starcity trainieren derzeit alle Astronauten und Kosmonauten für ihren Raumflug. Juri Gagarin überragt sie alle in vielen Variationen. Aber jeder wird hier zum Helden, ungefragt. Dabei hat sich die Raumfahrt gewandelt: von draufgängerischen Zufallsgeschäft zur perfekt durchgeplanten Reise ins All. Ohne Risiko ist sie trotzdem nicht.

Der Schnee gibt alles, um diesen Helden zu begraben. Aber von wegen. Seine Schultern werden noch ein paar Zentimeter höher, und auch der Brustkorb strebt immer weiter nach oben. So wächst Juri Gagarin mit jeder der dicken Flocken, die an diesem Tag aus dem grauen Himmel fallen, über diesem Ort eine Stunde außerhalb von Moskau. Es schneit, als wolle es diese ganze geheime Stadt im Schnee begraben. Aber der Held in Stein ist nicht groß, er ist riesig. Er wird bis zuletzt alles überragen, die ganze Allee der Kosmonauten hier in Starcity, all die anderen Heldenmäler, die hier herumstehen, so selbstverständlich wie Bäume im Wald. Weiterlesen

Die VR-Reporterin ist life!

Hervorgehoben

Immer wieder sagen mir Menschen, sie würden anstatt einer Zeitung oder eines Magazins am liebsten meine Artikel abonnieren. Aber da ich Freiberuflerin bin und für viele verschiedene Verlage arbeite, ist das nicht möglich. Jetzt haben wir mit den Riffreportern eine neue Plattform für freien Journalismus geschaffen, auf der genau das möglich ist: In meiner Koralle ‚Die VR Reporterin‘ schreibe ich regelmäßig über Themen aus der virtuellen Welt.

Im digitalen Raum entstehen gerade ganz neue Realitäten, und sie führen zu einer verrückten Entwicklung: Digitales und Physisches rücken wieder näher zusammen, näher als je zuvor in der Geschichte der Computer – und womöglich ist es auch gar kein Widerspruch. Forscher fragen zunehmend: Sind Dinge nicht letztlich nur Form gewordene Daten? Gleichzeitig fällt uns jetzt auf, was im Digitalen im allgemeinen wie im Virtuellen im Besonderen fehlt: Haptik beispielsweise. Forscher arbeiten daran, die Physik ins Virtuelle zu bringen, das Virtuelle fühlbar zu machen. Parallel wird die Realität um Virtuelles angereichert, sie wird erweitert. Weiterlesen

Schau mir in die Seele

Berliner Zeitung, 20. Februar 2018

Um gut mit Menschen zusammen arbeiten zu können, sollten Roboter der Zukunft die Emotionen ihres menschlichen Gegenübers verstehen und sich anpassen können. Forscher stellen sich entsprechenden Hürden.

Der Mann auf dem Trainingsrad tritt in die Pedale und strengt sich mächtig an, doch plötzlich verzieht er das Gesicht. „Du wirkst als hättest du Schmerzen“, sagt sein Trainer und schaut ihn mitfühlend an, „versuche langsamer zu treten.“ Der Mann tut das, und der Trainer sagt lächelnd: „Viel besser.“ So weit, so normal. Doch der Trainer ist kein Mensch, sondern ein Avatar. Er steht seinem Schützling auf einem großen Bildschirm gegenüber und spürt auf wundersame Weise, wie es diesem geht.

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