Haben Maschinen Trumps Sieg verursacht? Unsinn!

Spektrum.de, 6. Dezember 2016 – Link

Ein Text über psychologische Profilbildung mittels Facebookdaten schreckt viele auf. Der Text beschreibt aber weder eine neue Technologie, noch ist seine Schlussfolgerung seriös, nach der Trump die Wahl dank Algorithmen gewonnen hat. Dennoch besteht kein Anlass sich zurück zu lehnen, kommentiert Eva Wolfangel.

Ist Bigdata schuld an Trump? Dieses Luder, diese gefährliche Technologie, das sieht ihr ähnlich! Sie bringt Unheil über die Welt – jetzt haben wir den Beweis! So oder ähnlich denken offenbar viele nach der Lektüre des Textes „Ich habe nur gezeigt, dass es die Bombe gibt“. Die vage Hoffnung, dass vielleicht doch nicht Menschen sondern Maschinen schuld sind am Wahlsieg des künftigen US-Präsidenten, scheint viele zu mobilisieren: der Text dreht derzeit so nachhaltig seine Runden in den sozialen Netzwerken, dass man meinen könnte, er verkünde revolutionäres. Das tut er aber nicht.
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DebateExplorer: Unser Workshop auf der Wissenswerte

Blog über unser Datenjournalismus-Projekt DebateExplorer, November 2016

Auf der Wissenswerte, der Konferenz für Wissenschaftsjournalismus, präsentieren wir in einem Werkstattgespräch am Dienstag, 29.11., erste Ergebnisse unseres DebateExplorers: Können Maschinen Semantik verstehen, können sie sogar angesichts der verklausulierten Sprache der Politiker Muster in Bundestagsdebatten finden und uns Journalisten auf Auffälligkeiten stoßen, die wir ohne maschinelle Unterstützung nicht gefunden hätten? Unser Projekt auf der Basis der Förderung der Volkswagenstiftung im Projekt „Wissenschaft und Datenjournalismus“ erkundet seit Januar 2016 die Grenzen der Wissenschaft und versucht, sie zu verschieben. Wir wollen mit euch unsere Erfolge und die künftigen Herausforderungen diskutieren.

Unser Tool soll gerade in Zeiten knapper Mittel im Journalismus dafür sorgen, dass investigative Recherche nicht nur den großen Verlagen vorbehalten bleibt oder angesichts des Aufwands ganz ausstirbt. Wir nutzen öffentlich zugängliche Texte wie Bundestagsdebatten, Interviews und Artikel, um mittels automatischer Texterkennung aufzudecken, wie Debatten beeinflusst werden. Die Herausforderung dabei: die Algorithmen sollen nicht nur wortgleiche Passagen finden, sondern auch inhaltliche Gemeinsamkeiten, die verschieden formuliert sind. Dafür trainieren wir sie gemeinsam: JournalistInnen und ComputerlinguistInnen. Weiterlesen

Echt nette Roboter

Süddeutsche Zeitung Wochenende, 29. Oktober 2016 – Link

Menschliches Handeln ist in weiten Teilen vorhersagbar. Roboter nutzen das erfolgreich, um soziales Verhalten zu imitieren. Aber wie echt ist diese berechnete Hilfsbereitschaft?

Der kleine Kerl bewegt seine Arme und folgt diesen Bewegungen mit großen Augen, als nehme er diese Arme zum ersten Mal wahr. Noch scheint der Weg weit zu sozialem Verhalten: Erst einmal geht es darum, den eigenen Körper zu erfassen und dessen Grenzen, um überhaupt verstehen zu können, dass es ein „Ich“ und ein „Du“ gibt. Bei jeder Bewegung des Arms scheint sich der Kleine zu fragen: „Bin das ich? Mache ich das?“ Er bewegt seine Gliedmaßen unermüdlich und scheinbar zufällig, er testet, welche Richtungen seine Gelenke zulassen. Er dreht den Kopf so weit er kann und schaut sich um. Mit der Zeit werden die Bewegungen gezielter. Er hat gelernt, wie weit sein Radius ist, welche Positionen er erreichen kann. Später, als er verstanden hat, wo der eigene Körper aufhört, kommt ein Mann und reicht ihm einen Ball. Der kleine Kerl will ihn haben, greift aber erst unbeholfen daneben. Aber auch darin wird er mit etwas Übung immer besser: die erste Interaktion funktioniert!
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Mein Leben als Avatar

Magazin Reportagen Nr. 30, September 2016 – nominiert für den Reporterpreis!

Meine Reportage über unser virtuelles Leben der Zukunft, die weltweit erste Reportage aus der virtuellen Realität, ist für den Deutschen Reporterpreis in der Kategorie „Beste Reportage“ nominiert. Aus diesem Anlass hier schon der gesamte Text über meine Leben dort in dieser Parallelwelt, die sich fast so echt anfühlt wie die andere, die echte Welt. Mit allen positiven und negativen Begleiterscheinungen.

Noch wirkt alles ganz harmlos. Ein Sonnenstrahl landet direkt vor meinen Füßen, er hat eine weite Reise hinter sich, auch wenn es ihn eigentlich gar nicht gibt. Der Sonnenstrahl hat sich seinen Weg durch dicke Wolken vor dem Fenster gebahnt,  er ist gereist auf winzigen Regentropfen von weit oben aus dem Himmel bis hier zu mir auf den Parkettboden. Warm und weich kitzelt er jetzt meinen Fuß. Ich schaue mich um: der Raum ist würfelförmig, an drei Seiten begrenzt durch riesige Glasfronten. Die vierte Wand ist fast in der gesamten Breite ausgefüllt von einem riesigen Display, auf dem ein Film läuft. Einige Männer stehen davor und lachen. Weiterlesen

Wearables in der Schublade

Technology Review, September 2016

Schick, unauffällig, cool, exakt und kompatibel: das perfekte Wearable müsste eine eierlegende Wollmilchsau sein. Um die kleinen tragbaren Computer steht es weniger rosig, als es auf den ersten Blick erscheint.

Ausgerechnet Wearable-Pionier Thad Starner hat sich verrechnet. Smartphones würden sich bald überholt haben, sagte er vor einigen Jahren im Brustton der Überzeugung, als er die Googlebrille mit entwickelte. „Sie sind für mich persönlich ein Rückschritt.“ Die Zukunft seien Wearables, Kopfdisplays beispielweise wie die Googleglass oder sein selbstentwickeltes System, das er seit mehr als 20 Jahren nutzt: eine globige Brille, verbunden mit einem über die Jahre immer kleiner werdenden Computer, den er irgendwo am Körper trägt. Aber irgendwas ging schief an diesem Plan: die Googlebrille floppte im Konsumentenbereich, das Smartphone erfreut sich bis heute großer Beliebtheit.

Wer den Zahlen der großen Beratungsgesellschaften folgt, könnte tatsächlich zur Meinung gelangen, dass das Smartphone bald durch Wearables aller Art abgelöst wird. Aber die Zahlen sind bei genauem Hinsehen trügerisch: Die Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers pwc diagnostiziert gar ein Wachstum im Bereich der Smartwatches auf dem deutschen Markt von 614 Prozent von 2013 auf 2014. Kunststück – Smartwatches waren 2013 noch quasi unbedeutend für Konsumenten: Samsungs Galaxy Gear kam im September 2013 auf den Markt und gilt als eine der ersten Uhren, für die sich auch Kreise jenseits von Geeks interessierten – und schon im November musste Samsung zugeben, bei den Zahlen geschummelt zu haben: statt der verkauften wurden verschiffte Geräte angegeben. 2015 gaben 17 Prozent der Befragten einer PwC-Online-Umfrage an, bereits ein Wearable zu besitzen. Wenn man bedenkt, dass jedes Fitnessarmband als Wearable zählt und manche Krankenkassen diese gar verschenken, erscheint diese Zahl erstaunlich klein. „Bei den meisten landen diese sowieso nach ein paar Monaten in der Schublade“, sagt Gerhard Tröster,  Leiter des Elektronik-Labors der ETH Zürich. Das große Versprechen der Wearables scheint ausgerechnet beim meistverkauften Produkt ihrer Klasse nicht aufzugehen: die kleinen Computer fügen sich nicht so unauffällig in den Alltag ein, dass wir sie ständig dabei haben. Sie fügen sich noch unaufälliger in die Schubalde ein. Weiterlesen

DebateExplorer: Unser Baby wächst

Blog über unser Datenjournalismusprojekt DebateExplorer, Oktober 2016

Unser Baby spricht die ersten eigenen Worte! Genau genommen findet es die ersten eigenen Worte, nämlich Debatten rund um die Hotelsteuer. Und unser kleiner Joe zeigt, dass er tatsächlich erstaunlich viel verstanden hat. Mehr, als ich mir in den mühsamen Zeiten der Annotationen hätte träumen lassen angesichts der komischen Sprache der Politiker.

„Wir hätten auch eine superintelligente Suchmaschine bauen können“, sagt Andre. Aber wir haben uns für die künstliche Intelligenz entschieden, auch wenn unklar war und sicher teilweise noch ist, ob eine Maschine so komplexe Annotationen erlernen kann, wie sie sich beispielsweise aus Bundestagsdebatten ergeben. Dafür haben wir so die Chance, Debatten vollständiger zu analysieren und auch jene Textstellen zu finden, die unerwartete Begriffe verwenden und gewohnte Begriffe auslassen. An diesen Grenzen der Forschung zu arbeiten ist aufregend und ein Risiko, weil man nie weiß, ob es am Ende funktioniert. Aber heute haben wir einen Teilerfolg errungen.
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Hat die Virtuelle Realität ein Problem mit sexueller Belästigung?

Die ZEIT, 8. September 2016

(aus rechtlichen Gründen darf dieser Artikel hier nicht komplett erscheinen. Wer nach dieser Leseprobe Lust auf mehr hat, kann in der aktuellen ZEIT weiterlesen)

Soziale Interaktion in der virtuellen Realität wird als Zukunftsvision gehandelt. Aber die junge Technologie hat ein Problem mit sexuellen Übergriffen. Scheitert sie daran?

Hier stimmt etwas nicht. Schon aus dem Augenwinkel sehe ich, wie dieser Mann aus der Ecke des Raumes auffallend zielstrebig auf mich zukommt. Ich bin zum ersten Mal hier, habe mich gerade eben hierher gebeamt aus der anderen, der echten Welt, indem ich ein Virtual-Reality-Headset und Kopfhörer aufgesetzt und damit meinen physischen Körper in meiner Wohnung zurückgelassen habe. Ich habe Controller, die ich in dieser dreidimensionalen anderen Welt um mich herum wie Hände benutzen kann. Es ist, als wäre mein Geist an einen weit entfernten Ort gereist, wo er einen neuen Körper bezogen hat: einen Avatar in AltspaceVR, einem Treffpunkt in der Virtuellen Realität.

Eigentlich würde ich mich gerne diesem verrückt echten Gefühl hingeben, das mich sofort überfällt: Ich bin eingetaucht in eine komplette Welt, drehe mich um mich selbst, gehe ein paar Schritte durch den großen hellen Raum zur Terrassentür, vor der Vögel zwitschern und Grillen zirpen. Ein Bach plätschert neben dem Haus. Eigentlich würde ich jetzt gerne diese andere Welt erkunden, die friedliche Atmosphäre genießen mit den anderen Leuten, die in Grüppchen draußen in der Dämmerung unter den Bäumen stehen und plaudern. Eigentlich würde ich gerne erspüren, was es mit dieser „Social VR“ auf sich hat: die soziale Interaktion in der Virtuellen Realität.

Eigentlich. Weiterlesen

Algorithmen: Die unsichtbaren Lenker unseres Lebens

Berliner Zeitung, 3. September 2016

Im Hintergrund entscheiden Computer viele Dinge in unserem alltäglichen Leben. Das bringt nicht nur Vorteile mit sich.

Die Bank verweigert einen Kredit trotz bester Bonität, Amazon schlägt beharrlich Bücher vor, die man nie lesen würde und der Ganzkörperscanner am Flughafen findet irgendetwas auffällig am eigenen Körper: das kann zwar keiner der freundlichen Beamten erklären, es zieht aber eine aufwendige Sicherheitskontrolle und einen Sprint zum Gate nach sich: Das alles sind die Folgen von Computerentscheidungen, die auf der Grundlage von Algorithmen getroffen wurden. Jeder kennt sie aus dem Alltag, aber die wenigsten machen sich bewusst, dass dahinter Rechenvorschriften liegen, die unser Leben immer mehr bestimmen. Drei Beispiele aus dem Alltag, die gleichzeitig auch die Probleme beschreiben:

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Machen uns Navis dumm?

Spektrum.de/Spektrum der Wissenschaft, 6. September 2016pdf

Manche Forscher sind besorgt, dass die Nutzung von GPS & Co unser Gehirn verändert und wir unsere Orientierungsfähigkeit verlieren. Was ist dran?

Wer sich verfährt oder verläuft, muss nicht nur Umwege in Kauf nehmen. Im Extremfall kann er daran sterben. Das kommt in manchen Gegenden in der Tat immer häufiger vor, so dass diese Art zu sterben nun einen eigenen Namen bekommen hat: „Death by GPS“ nennen es die Ranger des Nationalparks Death Valley. Wer hier die Orientierung verliert und länger nicht gefunden wird, kann  wegen der großen Hitze schnell dehydrieren. Und das scheint im Zeitalter der Navigationsgeräte häufiger vorzukommen. Aus den USA erreichen uns immer wieder besonders krasse Geschichten von Menschen, die ihrem Navi gefolgt sind, auch wenn es Richtungen oder Straßen vorgeschlagen hat, die ganz offensichtlich falsch waren und sich damit in ersnthafte Gefahr begeben haben. Aber auch in Europa hört man immer wieder Geschichten von Menschen, die sehenden Auges beispielsweise in einen See fahren, weil ihr Navi behauptet, es handle sich um eine Straße oder andere, die alle Warnschilder auf unfertigen Brücken ignorieren und ins Meer stürzen – oder die schlicht zehn Stunden in die falsche Richtung fahren, bevor sie Verdacht schöpfen.

Machen Navis dumm? Die Frage mag provokativ sein, aber in der Tat mahnen Psychologen und Hirnforscher immer häufiger an, dass unser Gehirn auch Dinge verlernen kann (ohne dass wir dafür gleich in Gräben fahren müssen). Selbst der einstige Präsident des Royal Institutes of Navigation, das die Navigation technisch voranbringen will, Roger Mc Kinley warnte kürzlich in nature (http://www.nature.com/news/technology-use-or-lose-our-navigation-skills-1.19632) „Automatische Wegfindung untergräbt unsere natürlichen Fähigkeiten.“ Aber wie natürlich ist unser Orientierungssinn? Verlieren wir tatsächlich evolutionäre Fähigkeiten, weil wir Navis benutzen? Weiterlesen

DebateExplorer: Unsere Datenbasis wächst – und mit ihr die Herausforderungen

Blog über unser Datenjournalismus-Projekt Debate Explorer, August 2016

So gruselig der aktuelle Stuttgart-Tatort ist, in dem eine Künstliche Intelligenz unkontrollierbar wird, so sehr wünsche ich mir, wir hätten eine Maschine, die uns ein bisschen besser versteht! Wer mit Sprachdaten arbeitet und hofft, dass uns Journalisten die Automatisierung ein wenig Arbeit abnimmt, staunt nur ob der Ankündigung der ARD: „Der Tatort HAL spielt in der nahen Zukunft, die vielleicht schneller Gegenwart ist, als wir erwarten.“ Hach, wir arbeiten an dieser nahen Zukunft, die mir gerade doch wieder etwas weiter weg erscheint.

Zu gerne würde ich unserer Maschine zurufen: Versteh mich doch, es geht um Vorratsdatenspeicherung! Aber die Wortwolke in unserer Topicsuche, die mir helfen soll, ein Thema möglichst vollständig zu finden, ist ziemlich breit geworden: in ihrem Zentrum stehen nach wie vor Begriffe wie Datenschutz und Internet. Aber seit wir unsere Daten um Spiegel-Online-Artikel erweitert haben, bekomme ich eine breite Masse an Vorschlägen, die irgendwie auch in diesen Thementopf gehören aber mit Vorratsdatenspeicherung zu tun haben. Weiterlesen