Quer in Richtung Regenzeit

P.M. 04/2012  –  pdf

Die Himmelsrichtungen Nord, Süd, Ost, West erscheinen uns ebenso selbstverständlich wie die Bezeichnungen rechts und links, vorne und hinten. Aber in weiten Teilen der Welt existieren ganz andere Systeme der Orientierung. Sie verlangen beeindruckende Fähigkeiten – und für Westler ein enormes Umdenken, wenn sie nicht verloren gehen wollen

Es ist ein schöner Nachmittag, Bernd Heine sitzt mit einigen Einheimischen im ländlichen Norden Nigerias unter einem Baum. Der junge Linguist ist gekommen, um die Sprache Hausa zu erforschen, eine der größeren Verkehrssprachen Afrikas. Aber für heute hat er Feierabend, seine afrikanischen Gastgeber haben die traditionelle Wasserpfeife schon vorbereitet. „Hol mal die Wasserpfeife hinter dem Baum“, fordert einer der Afrikaner Bernd Heine auf. Der wundert sich: hinter dem Baum ist keine Pfeife. Sie steht vor dem Baum.

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„Wir dürfen uns nicht verstecken“

stern.de, 12.11.2008  –  online

In der Adventszeit stellen wir jeden Tag einen Menschen vor, den sein Engagement für andere oder der Umgang mit dem eigenen Schicksal auszeichnet. Heute: Zackie Achmat. Der Südafrikaner kämpft für die Anerkennung der HIV-Positiven in seinem Land.

Die jungen Männer sitzen dicht gedrängt in dem kleinen Raum eines heruntergekommenen Hauses im Slum Khayelitsha, nahe Kapstadt. In ihrer Mitte Zackie Achmat, 46. Er trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift „HIV positive“. Die Männer planen Großes: Eine Demonstration gegen Gewalt und für die Rechte von Homosexuellen. „An diesem Marsch sollte niemand unter 16 Jahren teilnehmen – die Lage ist alles andere als einfach“, sagt Achmat besorgt.

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Im Land der armen Millionäre

stern.de, 18.06.2008online

Simbabwe hat weltweit die höchste Inflation, ein Brot kostet sechs Millionen Simbabwe-Dollar – staatlicher Festpreis. Schneller geht es auf dem Schwarzmarkt gegen 15 Millionen. Wer überleben will, braucht die richtigen Kontakte – und weite Hosentaschen, um die gerollten Geldscheinbündel zu verstauen.

Paul bündelt Zehn-Millionen-Scheine, immer Hundert bilden einen Stapel, den er mit einem Haushaltsgummi umwickelt: Eine Milliarde Simbabwe-Dollar. Am Ende liegen zahlreiche solcher Bündel um ihn herum verteilt auf dem Tisch. Die Tageseinnahme seines Steakhauses. Vor allem Weiße und Militärs kommen in das kleine Restaurant in Bulawayo, der zweitgrößten Stadt Simbabwes. Paul verstaut die Päckchen in Plastiktüten. Dann beginnt der Wettlauf mit der Zeit. „Ich muss sie so schnell wie möglich auf dem Schwarzmarkt gegen Devisen tauschen“, sagt der Mittdreißiger. Denn der simbabwische Dollar verliert täglich dramatisch an Wert. Banken geben keine fremde Währung heraus. Wer keinen Zugang zu Devisen und keine Kontakte zum Schwarzmarkt hat, ist verloren.
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„Wir wollen die Wahlergebnisse, sofort!“

stern.de, 14.04.2008  –  online

Simbabwe verharrt in angespannter Haltung. Ein generelles Versammlungsverbot und Übergriffe auf Oppositionelle schüchtern die Bevölkerung ein. Aber die Wut der Menschen wächst und sie finden andere Wege, ihre Rechte einzufordern.

Die Menschen strömen von allen Seiten in die Central Baptist Church im Stadtzentrum vom Harare. Tausende füllen schließlich den Kirchensaal, alle Stühle sind belegt. Die Menge rückt noch enger zusammen, auf jedem freien Fleck auf dem Boden sitzt jemand und schaut erwartungsvoll nach vorne. „Wir wollen die Wahlergebnisse, sofort!“ steht auf den Flyern, mit denen die Christian Alliance, ein Zusammenschluss Geistlicher aus verschiedenen Kirchen Simbabwes, zum Gottesdienst geladen hat. „Wir Christen sollen uns nicht fürchten“, sagt Jonah Gokova, der den Gottesdienst als Leiter einer landesweiten ökumenischen Initiative mit veranstaltet. Das ist leichter gesagt als getan. Gokova wurde schon einmal nach einer ähnlichen Veranstaltung von bewaffneten Polizisten festgenommen. Erst nach Tagen kam er gegen Kaution frei.

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