Die Grenzen der Künstlichen Intelligenz

spektrum.de, 3. Mai 2016Link

Der Sieg einer Googlesoftware über den Weltmeister im Brettspiel Go hat der Technologie der künstlichen Intelligenz gesellschaftlichen Auftrieb verschafft. Die Mühen der Ebene zeigen aber, dass die Algorithmen des maschinellen Lernens allerlei Fallen bergen – auch für ihre Entwickler.

Die Bank verweigert einen Kredit trotz bester Bonität, Amazon schlägt beharrlich Bücher vor, die man nie lesen würde, und der Ganzkörperscanner am Flughafen findet irgendetwas auffällig am eigenen Körper: das kann zwar keiner der freundlichen Beamten erklären, es zieht aber eine aufwendige Sicherheitskontrolle und einen Sprint zum Gate nach sich: Die Auswirkungen maschinellen Lernens kennt jeder aus dem Alltag- auch wenn die wenigsten wissen, dass dahinter Künstliche-Intelligenz-Algorithmen liegen. Im Unterschied zum Brettspiel Go, wo jeder sehen kann, wer gewonnen hat, sind die meisten anderen Anwendungsgebiete weniger transparent: liegt der Schufa-Algorithmus falsch oder ist der Betroffene wirklich nicht kreditwürdig?

Je weitreichender die Einsatzgebiete solcher Algorithmen sind, umso gefährlicher sind  mögliche Fehlschlüsse oder Ungenauigkeiten solcher Systeme: Das kann jeder sofort nachvollziehen wenn es beispielsweise ums autonome Fahren oder um die Steuerung automatischer Waffensysteme geht. Experten glauben nicht daran, dass diese Fehler gänzlich auszumerzen sind. Sie liegen im System – und in der Anwendung: denn es ist längst kein Allgemeingut unter Informatikern, welcher Algorithmus für welche Anwendung geeignet ist. Dazu kommen Annahmen, die im Vorfeld getroffen werden müssen, und bei vielen Algorithmen die Unmöglichkeit, das Ergebnis auf die Richtigkeit oder statistische Relevanz hin zu überprüfen. Weiterlesen

Die perfekte Erinnerung

DIE ZEIT, 21. Januar 2016

Lässt sich alles, was wir erleben, digital speichern? Informatiker arbeiten daran. Wie ich Teil eines Experiments wurde.

Der Cyborg, der mir im Frühling 2013 in einem Stuttgarter Cafe gegenüber sitzt, sieht aus wie ein ganz normaler Mitvierziger mit leichten Geheimratsecken, in Hemd und Jeans. Nur sein türkiser Brillenbügel ist auffällig breit. Am vorderen Ende ist eine kleine Kamera eingearbeitet und ein Prisma. Seine rechte Hand steckt in der Hosentasche.

Thad Starner ist nicht allein. Er hat sein »System« bei sich. Das erkennt man an seiner Googlebrille und einer nahezu unsichtbaren rechteckigen Spiegelung auf seiner Netzhaut. In seiner Hosentasche hat er eine Fünffinger-Tastatur. Starner ist Informatikprofessor am Georgia Institute of Technology und ein Pionier der Erforschung anziehbarer Computer (wearable computing). Fast sein halbes Leben lang, seit mehr als 20 Jahren, trägt er wechselnde Versionen eines Prototypen am Körper. Er sieht sein »System« als Erweiterung seines Gehirns.

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DebateExplorer: Die Mühen der Ebene

Ich sollte glücklich sein! Ich trainiere eine Software, die den Journalisten der Zukunft die Arbeit erleichtern soll. Die investigative Recherche am Leben erhält. Ich arbeite voll am Puls der Zeit – wer würde sich nicht wünschen, auch mal eine künstliche Intelligenz mit eigenem Hirnschmalz anzureichern?

Aber manchmal holen mich die Mühen der Ebene ein: Das Bürokratendeutsch der Politiker beispielsweise. Wird eine Maschine je verstehen können, was diese vor lauter Rhetorik wirklich meinen? Sie wiederholen die Argumente der Gegenseite, bevor sie verklausuliert zu ihren eigenen Standpunkten kommen, sie verwenden ohne Ende doppelte Verneinungen, Schachtelsätze – werden meine Annotationen dem Algorithmus wirklich helfen? Weiterlesen

Wie sichern wir unsere Unberechenbarkeit?

spektrum.de/Spektrum der Wissenschaft, 1. Oktober 2015 – Link

Brauchen wir neue gesellschaftliche Konventionen angesichts der zunehmenden Automatisierung? Forscher diskutieren, wie unsere Werte im digitalen Umbruch gesichert werden können. Auch der Mensch muss sich dabei neu definieren.

„Entschuldigen Sie bitte, wo ist denn hier die Liste der Dinge, die nicht automatisiert werden sollen?“ Wenn es nach dem Zukunftsforscher Alexander Mankowsky geht, ist das die erste Frage, die man den Verantwortlichen eines Automatisierungsprojektes jeder Art stellen sollte – sei das ein autonomes Auto oder eine Smart City. „Die schauen dann meistens ganz verblüfft“, sagt Mankowsky und grinst. Dabei findet er diese Frage gar nicht abwegig. Der Philosoph interpretiert dieses Bewusstsein über das nicht-Automatisierbare als Indikator dafür, inwiefern die menschliche Freiheit mitgedacht wird. Soziale Wahrnehmung lasse sich nicht automatisieren, und auch der Mensch der Zukunft sollte die Freiheit zur Willkür haben: Spontane Aktivitäten, die eine Maschine nicht vorhersehen kann. Und trotzdem nicht unter die Räder kommen. Weiterlesen

Kommentar: Es ist Zeit aufzuwachen!

spektrum.de, 17. Juli 2015Link

„Bitte beschäftigt euch mit unserer Forschung, sie wird euer Leben verändern“: sinngemäß diese Forderung schreit aus einigen Beiträgen im aktuellen „Science“-Magazin zum Schwerpunkt „Künstliche Intelligenz“ hervor. Die Forscher haben Recht mit ihrem Hilferuf, findet Eva Wolfangel: Es ist Zeit aufzuwachen.

Fahren wir auf eine Klippe zu und hoffen, dass das Benzin leer ist, bevor wir in den Abgrund stürzen? Dieses drastische Bild zeichnet der KI-Pionier Stuart Russel von der University of Califormia in der aktuellen Ausgabe des „Science“-Magazins angesichts all derer, die sagen: Maschinen werden nie intelligenter sein als Menschen. Ob es zu diesem Punkt je kommt, steht in den Sternen. Aber auch das, was selbst lernende Algorithmen heute schon können, fordert eine Neuorientierung der Gesellschaft. Das Bild Russels ist symptomatisch für unseren Umgang mit dem Thema künstliche Intelligenz: Anstatt sich genauer mit dem zu beschäftigen, was die modernen Technologien selbst lernender Systeme an Veränderungen für unser Zusammenleben mit sich bringen, halten wir uns lieber die Augen zu und hoffen, dass es schon gut gehen wird. Einerseits fördert die Gesellschaft entsprechende Entwicklungen mit hohen Fördersummen, andererseits weigern sich Politiker, sich tiefer mit dem Thema auseinanderzusetzen und entsprechende Gesetze auf den Weg zu bringen. Weiterlesen

Wie intelligent können Maschinen sein?

Stuttgarter Zeitung, Tagesthema, 17. Juli 2015

Intelligente Maschinen beschäftigen die Menschen derzeit stark.  Das Wissenschaftsmagazin „Science“ veröffentlicht einen Themenschwerpunkt über die aktuellen Herausforderungen der künstlichen Intelligenz – und ihre Begrenzungen

Sei es das soziale Netzwerk Facebook, das seine User mittels Künstlicher Intelligenz besser kennen lernen und Werbung noch gezielter platzieren will oder Googles Vision, den Menschen künftig Fragen zu beantworten, bevor sich diese ihnen stellen: Künstliche Intelligenz ist derzeit in viel gefragtes Themenfeld. Ein Grund für das Wissenschaftsjournal „Science“, Künstliche Intelligenz in der aktuellen Ausgabe als Themenschwerpunkt zu behandeln. Schließlich wächst das Thema auch in der Wissenschaft, hohe Fördersummen fließen in entsprechende Projekte. Ein mutmaßlich weiterer Grund: Die Sichtweise der Öffentlichkeit – seien es Befürchtungen vor superintelligenten Robotern bis hin zu übergroßen Hoffnungen, was Maschinen alles leisten könnten – weicht bisweilen von der Realität der Forschung ab. In verschiedenen Artikel beschreiben die Forscher die aktuellen Herausforderungen für die Künstliche Intelligenz – und ihre Begrenzungen. Weiterlesen

Ein kleiner Schritt für einen Humanoiden

Stuttgarter Zeitung, 17. Februar 2015

Eine neue Gruppe am Tübinger Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme will Roboter zu autonomen Bewegungen befähigen. Was uns Menschen leicht fällt, ist für Maschinen kompliziert.

Manchmal ärgert Ludovic Righetti Roboter – im Dienste der Wissenschaft versteht sich. Er gibt ihnen hinterrücks einen Schubs, wackelt an der Bodenplatte, auf der sie stehen, oder verschiebt den Gegenstand, den der Roboter vom Tisch greifen soll. Und dann freut sich der junge Wissenschaftler am  Tübinger Max-Planck-Institut für intelligente Systeme, wenn sein Gegenüber die Aufgabe trotzdem meistert. Denn das ist seine Forschung: Er will Roboter dazu befähigen, sich autonom bewegen zu können. Weiterlesen