Er fliege hoch!

ZEIT Wissen, 20. Juni 2017 – Leseprobe

Diese zwei Männer sehen nur so aus, als würden sie spielen. In Wirklichkeit sind sie an einem neuen Wettrennen beteiligt – zum Mond.

Zehn Grad Steigung, das könnte knapp werden, aber der Kleine nimmt sie locker. Doch dann gräbt sich das rechte Vorderrad in den feinen Sand und stoppt, während das linke nach rechts und links ruckelt wie der Fühler eines Insekts. Plötzlich ist Ruhe. Die Kameraaugen des Rovers schauen zum nächsten Hügel, aber es geht nicht mehr vorwärts.

Zum Glück steht er noch nicht auf dem Mond, sondern in seinem neuen Spielzimmer in Berlin-Marzahn. Den Mond kennt der Rover nur von dem Poster, das an der Wand hängt wie ein Starschnitt über dem Bett eines Teenagers. Karsten Becker ist der Erziehungsberechtigte des Fahrzeugs, er dirigiert es mit einem Tabletcomputer. Bis eben zumindest, jetzt reagiert der Kleine nicht mehr. Becker öffnet im Rücken des Rovers eine Klappe und zieht die Stirn in Falten. „Irgendwas mit den Motoren stimmt nicht“, murmelt er.

„Vielleicht ist das Profil der Räder noch nicht optimal“, sagt Jürgen Brandner, der zweite Mann in der Halle. Eigentlich waren die Ingenieure froh, dass sie nicht mehr um die halbe Welt fliegen müssen in der Hoffnung, mondähnlichen Untergrund zu finden. Sie gehen jetzt von ihren Büros nur noch die Treppe hinunter, um den Rover in seinem eigenen Zimmer zu testen: 66 Quadratmeter Sand, den ein Professor für Geomorphologie als den mondähnlichsten Sand der Erde identifiziert hat. Aber nun versaut ihnen der sture Kerl die Premiere und streikt schon beim ersten Fahrversuch. „Besser, als wenn es in Katar passiert wäre“, sagt Becker und grinst. Weiterlesen