Smarter Verkehr mit Tücken

Spektrum.de/Spektrum der Wissenschaft, 25. August 2015Link

Den Begriff Smart Traffic verbinden die meisten mit Parkplätzen, die ihre Belegung per App melden, und computergesteuerten Ampeln, die den Verehr effizient durch die Stadt lotsen. Die allumfassende Vernetzung des Verehrs ist weitreichender. Umstritten ist allerdings, ob sie aus dem Großstadt-Stau und zu nachhaltigem Verkehr führt.

Das autonome Auto fährt vor, der Park-and-Ride-Parkplatz ist bereits reserviert, der öffentliche Bus vom Auto über den Neuankömmling informiert. Das Auto spuckt den Pendler an der Station aus, im selben Moment kommt der Bus. Der fährt nicht alle Haltepunkte an, sein Navigationsgerät weiß, an welchen Stationen weitere Fahrgäste warten. Manche von ihnen sind per Fahrrad gekommen – an jeder Haltestelle gibt es sichere Fahrradgaragen -, andere kommen in einer Fahrgemeinschaft mit Nachbarn, deren Wege sich hier trennen. Und drei Stationen später kommt eine Pendlerin angerannt, die sonst immer mit dem Auto zur Arbeit fährt. Aber ihr persönlicher Verkehrsassistent hat einen langen Stau erkannt und ihr vorgeschlagen, ein paar Minuten früher loszugehen und Bus und Bahn zu nehmen. Sie sei natürlich frei in Ihrer Entscheidung, so die App: „Sie können sich auch in den Stau stellen, Sie erreichen Ihr Ziel dann aber 25 Minuten später.“ Keine Frage: Ein Klick, der Busstopp ist angemeldet, das Ticket gekauft, und das Smartphone lotst die ÖPNV-Novizin auf dem direkten Weg zur Haltestelle.
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Das Smartphone wird zum Bausatz

Stuttgarter Zeitung, 2. März 2015

Google stellt auf dem Mobile World Congress in Barcelona sein „Project Ara“ der Öffentlichkeit vor. Solchen Baukasten-Smartphones wird eine große Zukunft vorhergesagt. Jeder Nutzer kann sie individuell nach seinen Bedürfnissen zusammenstellen. Die erhoffte Trendwende zu weniger Elektroschrott bringt das aber wohl nicht.

Dave Hakkens Schlüsselerlebnis war ein Reparaturversuch: Der niederländische Designer war froh als er entdeckte, dass in seiner kaputten Digitalkamera nur ein kleines Bauteil ausgetauscht werden musste. „Das war einfacher gesagt als getan“, sagt er heute desillusioniert. Nirgends gab es das Teil zu kaufen, niemand konnte die Kamera reparieren. „So wachsen die Berge an Elektroschrott.“ Noch häufiger seien es Smartphones, die wegen eines defekten Teils komplett entsorgt werden müssten. Der Umweltschützer und Technologiefan Hakkens ärgerte sich nicht lange, sondern startete im September 2013 „Phonebloks“ (https://phonebloks.com/en), eine Kampagne für ein modulares Smartphone, die innerhalb weniger Wochen zig Millionen Anhänger im Netz fand. Sie alle teilen die Forderung Hakkens, ein zusammensteckbares Smartphone zu entwickeln, dessen kaputte Teile vom Nutzer einfach ausgetauscht werden können. Viele Hacker unter ihnen erklären sich bereit, ein solches Produkt mit zu entwickeln.

Das machte Druck auf Google: Parallel zu Hakkens hatte der Konzern offenbar ebenfalls an einem modularen Konzept gearbeitet. Als klar wurde, wie groß die Phoneblok-Bewegung ist, ging Google mit seinem  „Project Ara“ an die Öffentlichkeit und bot an, die Community mit einzubeziehen. Unter dem kritischen Blick Hakkens und seiner Unterstützer arbeitet Google seither an einem modularen Smartphone, das auf dem Mobile World Congress in Barcelona erstmals der Öffentlichkeit präsentiert werden soll. Weiterlesen