Er fliege hoch!

ZEIT Wissen, 20. Juni 2017 – Leseprobe

Diese zwei Männer sehen nur so aus, als würden sie spielen. In Wirklichkeit sind sie an einem neuen Wettrennen beteiligt – zum Mond.

Auf den ersten Blick folgt dieser Vormittag im Februar dem Drehbuch der Raumfahrtromantik: Ingenieure tüfteln an Mondrover und bringen den Innovationsstandort Deutschland voran. Part Time Scientists nennen sich die Herren, Teilzeitwissenschaftler. Zuerst, im Jahr 2009, war da nur die fixe Idee, den Google Lunar Xprize zu gewinnen. 20 Millionen Dollar Preisgeld hat Google jenem Team versprochen, das einen Rover entwickelt und auf dem Mond 500 Meter weit fahren lässt. Heute arbeiten die Part Time Scientists Vollzeit. Sie vergeben Aufträge an Airbus und haben mit Audi einen ernstzunehmenden Sponsor gefunden. Spätestens für 2018 wollen sie ihrem Rover eine Mitfahrgelegenheit auf einer Rakete buchen.

Aber dahinter steckt viel mehr als nur der nächste Abenteuerausflug gen Himmel. Weiterlesen

Die mobile Reportage der Zukunft

Hintergrund zu meinem Masterclass-Projekt und Fragen an Euch

Als Stipendiatin der Masterclass Wissenschaftsjournalismus (gefördert von der Bosch Stiftung und vom Reporterforum) habe ich zwischen Juni 2016 und April 2017 an neuen mobilen Reportageformen gearbeitet. Ein Ergebnis ist meine Reportage über Alexander Gerst und das russische Sternenstädtchen – eine geheime und geschlossene Stadt, in der er sich derzeit meistens aufhält, um sich für seinen Raumflug 2018 vorzubereiten. Die Reportage ist jetzt im digitalen SPIEGEL erschienen, und zwar in zweierlei Form: einmal als so genannte Visual Story (hier ein  kostenpflichtiger Link), was früher altmodisch Multimedia-Geschichte hieß, und einmal als so genannte „Lese-Version“ (kostenloser Zugang). Mir geht es also bei der Geschichte nicht nur um den Inhalt, sondern auch um die Form. Und hier wünsche ich mir euer Feedback: Wie gefallen euch die beiden verschiedenen Formen? Ist mein Konzept aufgegangen? Was wünscht ihr euch für die mobile Reportage der Zukunft?

Dafür hier einige Hintergrundinfos dazu, was ich mir gedacht habe und warum mich das Thema Reportage auf Mobilgeräten so bewegt: Meine Leidenschaft sind Reportagen, und Ihnen droht aus meiner Sicht im digitalen Zeitalter Gefahr. Nicht weil lange Texte online nicht gewünscht sind, wie irrigerweise immer wieder behauptet wird: immer wieder zeigen Studien, dass Leser auch online und auf mobilen Geräten lange Texte goutieren. Sondern weil Reportagen falsch aufbereitet werden, was sie insbesondere auf dem Smartphone oft unlesbar macht. Entweder als langer, unübersichtlicher Scrolltext oder mit zu vielen, sich inhaltlich wiederholenden Multimedia-Elementen, die den Leser aus dem Text ziehen und die Bilder im Kopf unmöglich werden lassen.
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„Ich habe im Kopf berechnet, wie lange wir noch überleben“

Leseprobe aus Der SPIEGEL 17/2017 – Link

Im Sternenstädtchen bei Moskau werden aus Kampfpiloten und Wissenschaftlern Astronauten und Kosmonauten. Und sie werden zu Helden. Auch wenn sie sich zunehmend dagegen wehren – das diktiert der Ort und die Tradition. Ein Besuch bei Alexander Gerst und seinen russischen Kollegen.

Kurz vor der rettenden Station versagt die Automatik. Die Internationale Raumstation ISS ist nur noch einen Sprint entfernt. Auf der Erde würde Alexander Gerst die Strecke in wenigen Sekunden zurücklegen. Aber hier in der Sojus trennen ihn nur wenige Kubikmeter Luft und eine dünne Schicht aus Aluminium von der lebensfeindlichen Umgebung des Weltalls. Jetzt darf nichts schiefgehen. Bis hierhin ist der Flug von der Erde zur Raumstation ohne Probleme verlaufen, aber jetzt, auf den letzten schwierigsten Metern lässt die Automatik Gerst und seinen russischen Kollegen Anton Schkaplerow im Stich. Die beiden Raumfahrer schalten auf eine andere Automatik um: die in ihrem Kopf. Unzählige Male haben sie diese Situation geübt, damit sie in einem Fall wie diesem wie Roboter handeln. Sie steuern das Raumschiff von Hand. Gerst schaut durch ein Fernglas und richtet das Lasermessgerät auf einen festen Punkt an der Raumstation. „200 Meter“, sagt er. Schkaplerow sagt: „Und jetzt?“, „200 Meter“ „Jetzt?“ „200 Meter“. So geht das lange drei Minuten. Schkaplerow steuert das Raumschiff, Gerst misst. Nichts bewegt sich. Dann: „195 Meter“. 190. 190. 190. „Wiederhole alle 20 Sekunden“, befiehlt Schkaplerow. Gerst tut das. Minutenlang. 180, 180. 180. 175. Der Kosmonaut fliegt bewusst langsam. In dieser Nähe ist die Gefahr groß, die Station zu rammen. Mit lebensgefährlichen Folgen sowohl für die Raumfahrer in der Kapsel als auch für die Crew an Bord der ISS. Weiterlesen

Hoch hinaus

Stuttgarter Zeitung, 18. April 2017

Lisa Haas will ins All, seit sie denken kann. Sie ist eine von sechs Finalistinnen im Wettbewerb „Die Astronautin“. Aller Kritik am Wettbewerb zum Trotz findet sie: wir haben genug gewartet! Es müssen mehr Frauen ins All.

Hach die Physik! Der weiße Klettergriff unter der rechten Hand von Lisa Haas ist groß aber abschüssig, der unter der Linken nicht besser, ihr linker Fuß steht auf einem winzig kleinen Tritt, der rechte Fuß angelt nach einer Kante, die einfach nicht näher kommen will, aus den Lautsprecherboxen tönt kämpferische Musik, aber auch das hilft nichts: Die rechte Hand rutscht ab, die Kletterin stürzt aus der Wand und landet auf einer großen weichen Matte. Die Menschen um sie herum in der Tübinger Boulderhalle fluchen, wenn sie wie Haas aus der Wand fallen wie eine Tür, die schief in den Scharnieren hängt. Aber sie lacht. „Das ist Physik“, ruft sie begeistert, Gleichgewicht, Reibungskräfte, der Schwerpunkt und die verdammte Schwerkraft – „was man hier alles sehen kann!“

Ja die verdammte Schwerkraft. Was würde Lisa Haas geben, um ihr zu entkommen, und sei es nur für ein paar Tage! Die 33-jährige promovierte Physikerin möchte ins All und hat dafür schon größere Hürden genommen als dieses weiße Boulderproblem, das sie an diesem Tag noch oft abschütteln wird. Weiterlesen

Eines Tages besiedeln wir andere Planeten

Bild der Wissenschaft 06/2014 (Auszug)

Der deutsche Astronaut Alexander Gerst startet Ende Mai auf die Internationale Raumstation. Im Interview mit Bild der Wissenschaft spricht er darüber, was er sich von der Forschung erhofft, wieso wir eines Tages andere Planeten bewohnen werden und woran wir außerirdisches Leben erkennen.

 – Der gesamte Text darf leider aus rechtlichen Gründen hier nicht erscheinen – deshalb hier nur ein Auszug: Weiterlesen  in Bild der Wissenschaft 06/2014 –

(…)

Herr Gerst, Ihre Ausbilder bei der ESA haben versucht, Sie an Ihre Grenzen zu bringen – beispielsweise beim Überlebenstraining: tagelang mit wenig Ausrüstung und kaum Essen in eisiger Kälte im Wald. Erfolgreich?

Ich dachte zwar manchmal: Ja, hier könnte meine Grenze möglicherweise liegen. Aber ich habe gemerkt, dass ich mehr aushalte, als ich mir vorstellen konnte. Selbst das Überlebenstraining oder die anstrengenden Unter-Wasser-Trainings, wo ich sieben Stunden ohne Pause in einem schweren Raumanzug unter Druck anstrengende Arbeiten verrichten musste: Ich dachte anfangs, ich kann das vielleicht nicht – und habe dann gemerkt, dass es wirklich machbar ist. Ich weiß also nicht, wo meine Grenzen sind, ich weiß nur, wo sie nicht sind.

Auf der ISS werden sie monatelang auf engstem Raum mit fünf anderen Astronauten zusammenleben müssen, die teilweise aus anderen Kulturen stammen oder aus Nationen, die sich auf der Erde nicht gerade grün sind. Könnte Sie das an Ihre Grenzen bringen?

Meine Erfahrung aus der Antarktis ist: Je schwieriger die äußeren Umstände, umso enger bringt es das Team zusammen. Auf der ISS arbeiten ehemals verfeindete Nationen schon seit Jahren eng und erfolgreich zusammen. Wir sind dort die einzigen sechs Menschen, die nicht auf dem Planeten sind: das verbindet.

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„Kriegsführer ins Weltall!“

Langfassung meines Interviews mit der Weltraumtouristin Anousheh Ansari, das am 6. Julli 2013 in der Stuttgarter Zeitung erschienen ist – pdf

Sie kommt in Highheels zum Interview und verschwindet trotzdem fast zwischen all den großen Männern, die sie umgeben: Anousheh Ansari ist die erste Weltraum-Touristin und hat viele Fans. Trotz ihrer Popularität ist sie am Boden geblieben und plaudert auch gerne mal aus dem Nähkästchen. Seit ihrem Raumflug auf die ISS hat sie eine Mission: Wenn alle Menschen einmal einen Blick von außen auf unsere Erde werfen würden, dann wäre die Welt eine Bessere. Im Interview spricht sie über Außerirdische, Gott, den Sinn der bemannten Raumfahrt und die Frauenquote.

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Der Astronaut als Extremfall der Menschheit

Stuttgarter Zeitung, 3. Juli 2011 pdf, online

In Köln eröffnet am Freitag, 5. Juli, das „envihab“. In dem neuartigen Forschungszentrum sollen Erkenntnisse über die Folgen der Schwerelosigkeit gewonnen werden. Davon profitieren auch die Menschen auf der Erde.

Wie können sich Astronauten im All länger fit halten? Wie muss die Crew für einen Marsflug zusammen gesetzt sein, damit sie die lange Zeit auf engem Raum auch psychisch durchhält? Und was können bettlägrige Patienten tun, um Kreislaufprobleme und Knochen-Abbau zu verhindern? Weiterlesen

„Außerirdisches Leben halte ich für wahrscheinlich“

stern.de, 19.11.2010  –  online

Die ESA hat ihre neuen Raumfahrer vorgestellt. Mit dabei Alexander Gerst, der 2014 als erster der sechs zur ISS fliegen soll. Er hat zudem gute Chancen, eines Tages der erste Deutsche auf dem Mond zu sein. Ein Gespräch mit stern.de über den Sinn der bemannten Raumfahrt, außerirdisches Leben und die Suche nach den eigenen Grenzen.

Herr Gerst, nächste Woche beenden Sie in einer feierlichen Abschlusszeremonie Ihr Basistraining – quasi das Grundschulzeugnis an der Astronautenschule. Sie absolvieren eine sehr teure Ausbildung auf Kosten des Steuerzahlers. Macht das Druck?
Nun, ich versuche, mein Bestes zu geben, immerhin ist es ein großer Vertrauensvorschuss und es ist ungewöhnlich für mich, sozusagen Vorschusslorbeeren zu bekommen. Als Wissenschaftler bin ich es gewohnt, nach Resultaten bemessen zu werden.

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Wartungsfreundliche Astronauten gesucht

stern.de, 03.07.2008  –  online

Nach 15 Jahren rekrutiert die europäische Weltraumagentur wieder Astronauten, der Ansturm ist enorm. 1000 glückliche Kandidaten haben eine Einladung zu ersten psychologischen Tests bekommen. Doch wie wählt man aus so vielen Bewerbern die vier Besten aus?

Frank Danesy steht vor einer der größten Herausforderungen seiner Karriere. Der Personalchef der Esa am europäischen Astronautenzentrum in Köln ist verantwortlich für die Auswahl der künftigen Raumfahrer. „Das ist ein Riesenprojekt“, stöhnt er. Gleichzeitig der Traum schlechthin für einen Personaler, der gerne aus dem Vollen schöpft: 10.000 Bewerber für vier Stellen, 1000 Einladungen zur ersten Augenschau, 44 von ihnen trifft Danesy gemeinsam mit seinen Kollegen nun täglich in Hamburg.

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